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IT & KI Glossar · 1. Juli 2026

Backup: Datensicherung als Fundament der IT-Verfügbarkeit

Ein Backup ist eine zusätzliche, vom Produktivsystem getrennte Kopie von Daten und Konfigurationen. Es dient dazu, nach Löschung, Beschädigung, Hardwaredefekt oder Verschlüsselung durch Schadsoftware einen definierten früheren Zustand wiederherzustellen. Der Wert eines Backups bemisst sich ausschließlich daran, ob die Rückspielung im Ernstfall funktioniert und wie lange sie dauert.

Was ein Backup technisch leistet

Backup-Verfahren unterscheiden sich darin, was und wie oft sie kopieren. Eine Vollsicherung überträgt den gesamten Datenbestand, eine inkrementelle Sicherung nur die seit dem letzten Lauf geänderten Blöcke, eine differenzielle Sicherung alle Änderungen seit der letzten Vollsicherung. Inkrementelle Ketten sind speichersparend, aber empfindlich: Fehlt ein Glied, ist der gesamte nachfolgende Zeitraum nicht mehr rekonstruierbar. Auf Dateiebene werden einzelne Dokumente gesichert, auf Image-Ebene ganze Datenträger oder virtuelle Maschinen einschließlich Betriebssystem und Installationszustand.

Für laufende Datenbanken und Mailserver ist konsistenzsicheres Sichern erforderlich. Eine schlichte Dateikopie einer geöffneten Datenbank erzeugt einen Zustand, der beim Zurückspielen unbrauchbar sein kann. Unter Windows übernimmt das der Volume Shadow Copy Service, bei virtualisierten Systemen die Snapshot-Mechanik des Hypervisors, bei Datenbanken die anwendungseigene Sicherungsschnittstelle.

Warum das Thema für ein KMU praktisch relevant ist

Der überwiegende Teil der Wiederherstellungen in mittelständischen Betrieben geht nicht auf spektakuläre Angriffe zurück, sondern auf versehentlich gelöschte Ordner, überschriebene Dateiversionen, defekte Datenträger und fehlgeschlagene Updates. Für diese Alltagsfälle ist entscheidend, wie weit die Versionshistorie zurückreicht und wie schnell einzelne Elemente ohne Vollwiederherstellung herausgelöst werden können.

Hinzu kommt Ransomware. Angreifer suchen heute gezielt nach erreichbaren Sicherungsbeständen und löschen oder verschlüsseln diese vor der eigentlichen Verschlüsselung der Produktivdaten. Ein Backup, das mit denselben administrativen Zugangsdaten erreichbar ist wie die Server, bietet in diesem Szenario keinen verlässlichen Schutz.

Worauf es in der Praxis ankommt

Als Orientierung hat sich die 3-2-1-Regel etabliert: drei Kopien der Daten, auf zwei unterschiedlichen Medientypen, davon eine an einem anderen Standort. Ergänzend gilt heute die Forderung nach mindestens einer Kopie, die offline oder unveränderlich abgelegt ist. Unveränderlichkeit bedeutet, dass Sicherungsstände für einen festgelegten Zeitraum auch mit administrativen Rechten nicht gelöscht oder überschrieben werden können.

  • Aufbewahrungsfristen je Datenart festlegen, statt pauschal alles gleich lange vorzuhalten
  • Sicherungskonto vom regulären Domänenadministrator trennen und mit eigenen Zugangsdaten betreiben
  • Protokolle automatisiert auswerten und Fehlläufe aktiv melden, nicht nur ablegen
  • Wiederherstellung mindestens jährlich testen, dokumentiert und mit gemessener Dauer
  • Cloud-Dienste wie Microsoft 365 gesondert betrachten, deren Papierkorb-Fristen ersetzen keine Sicherung

Zwei Kennzahlen sollten vor der Technikauswahl feststehen. Das Recovery Point Objective beschreibt, wie viel Datenverlust in Stunden tolerierbar ist, und bestimmt damit das Sicherungsintervall. Das Recovery Time Objective beschreibt, wie lange ein System ausfallen darf, und bestimmt Speichermedium, Bandbreite und Verfahren. Beide Werte müssen aus dem Geschäftsbetrieb abgeleitet werden, nicht aus dem, was die vorhandene Hardware gerade hergibt.

Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist die unvollständige Erfassung des Sicherungsumfangs. Fachanwendungen mit eigener Datenbank, Lizenzserver, Zertifikate, Firewall-Konfigurationen und Netzlaufwerksberechtigungen fehlen oft, weil sie bei der Einrichtung nicht sichtbar waren. Bei der Wiederherstellung fällt das erst auf, wenn Zeitdruck herrscht.

  • Dauerhaft verbundene USB-Festplatte am Server, die Schadsoftware ebenso erreicht wie das Produktivsystem
  • Synchronisation mit einem Cloud-Ordner, die eine Löschung sofort nachvollzieht, statt eine Version vorzuhalten
  • Sicherungsjobs, die seit Monaten mit Warnungen laufen, ohne dass jemand die Meldungen liest
  • Fehlende Dokumentation der Wiederherstellungsreihenfolge und der zugehörigen Kennwörter

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Ein Backup verhindert keinen Vorfall. Es begrenzt dessen Dauer und Kosten. Wer Verfügbarkeit im Minutenbereich benötigt, braucht zusätzlich Redundanz im laufenden Betrieb, etwa Cluster oder Replikation. Beides ersetzt einander nicht, denn Replikation überträgt auch Fehler und Verschlüsselung sofort auf das Zweitsystem.

  • Ein Backup gilt erst als vorhanden, wenn die Wiederherstellung getestet und die Dauer gemessen wurde
  • RPO und RTO aus dem Geschäftsbetrieb ableiten und daraus Technik und Intervalle bestimmen
  • Mindestens eine Kopie unveränderlich oder offline halten und mit eigenen Zugangsdaten trennen
  • Fachanwendungen, Konfigurationen und Cloud-Postfächer explizit in den Sicherungsumfang aufnehmen
  • Protokolle aktiv auswerten, denn stille Fehlläufe fallen sonst erst im Schadensfall auf

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